Category Archives: Verschiedenes

Eine Geschichte in Wien

„Kindern und Greisen sollte man noch viel mehr erlauben.“ Ein kluger Satz, gesprochen von Sigmund Freud, der als fiktive und doch ganz real wirkende Gestalt in einem Buch auftaucht, dass mir zunächst in meiner Familie und dann im Freundinnen- und Lesekreis begegnete. Und aus dem Lesekreis nahm ich es leihweise mit. Ich war gespannt auf Wien in der Zeit vor dem 2. Weltkrieg, auf die Geschichte der Hauptfigur Franz Huchel, der vom Land in die große Stadt zieht und die Verbindung zu seiner Mutter per Postkarte und Brief hält, und natürlich auf die Rolle des Begründers der Psychoanalyse. Das schön gestaltete Buch Der Trafikant von Robert Seethaler ist eine wunderbare Studie darüber, wie verwirrend es sein kann zu entscheiden, was für unser Leben wichtig ist. Und wie sehr uns Begegnungen mit Menschen auf diesem Weg beeinflussen. Wir berühren einander – in Worten, in Gesten und in Umarmungen. Und selbst unsere ganz individuellen Träume können für andere eine Bedeutung haben. Franz Huchel findet seinen eigenen Weg, seine Träume zu bewahren. Wie, das empfehle ich unbedingt nachzulesen.

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I’m currently reading ….

… My Brilliant Friend by Elena Ferrante. A microcosm of girls in Italy. Currently experiencing puberty. It dives deeply into the mind of the main character and explores her jealousies and her desires.  I think it’s very honest about friendship – not just the nice bits. That’s all I can say about the book at the moment. More to come.

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A book about dogs and smells

It was on my wishlist for a long time, but the pile of books I wanted to get through seemed to keep growing….but finally, I bought it. Being a Dog by Alexandra Horowitz is a real treat. Because I like reading about dogs and about smells. And believe it or not, the book devotes quite a lot of pages to perfume and wine! The writer has two dogs herself and invites us readers to get a deeper level of understanding of our canine friends by appreciating just how sensitive their noses are. In the process, we also learn that we can challenge our human noses so much more if we train this sense, listen to the experts and don’t shy away from the odd unpleasant olfactory experience (porcupine pee, anyone?). I read about the scent cartographer Kate McLean and revisited the wine aroma wheel. I now feel reassured that I am absolutely right to let me dog sniff almost every lamppost, plastic bag and other objects that might seem inviting to him in our neighbour-
hood and beyond. It takes more time, but it’s time well spent. Because I pause and reflect – and take in much more of spring’s pleasures. And I’ve made a mental note to try and understand the wonders of our sense of smell – and my dog’s – even better. A book I’d recommend to everybody interested in broadening their olfactory horizon.

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A new life?

Asylum and Exile – The hidden voices of London by Bidisha is a collection of stories – real-life stories. They remind us what it means to migrate, to search for a new (better?) life, to look for work, love, attachment – a home. As the reader, I do not get the comfort zone of fiction – these are people with real woes, sorrows and some happy encounters. Manny, Elodie, Marie, Glorianna and all the others do not have much in common, but in the public perception, they are often viewed as one anonymous group of refugees. For me, it is the greatest achievement of this book to lift these people from this anonymity and introduce them to us, the readers. They arrive from different places and backgrounds and – although in the same country now – do not want the same things from life. One thing they DO have in common, though, is the desire for physical safety and no violence. They’ve given up a lot and face a lot of unknown quantities. Frequently highly educated and equipped with at least one university degrees, they have to start from scratch. Their documented new beginnings show a glimpse of hope. Thank you, Bidisha, for unlocking „….the lost people in the city.“ The city that is London. And thank you to Seagull Books for this honest account of what it means to live in a new and often hostile place.

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Umwege

Ich hatte dieses Buch schon lange im Auge. Und wusste nicht, in welcher Sprache ich es lesen wollte. Die Entscheidung fiel für die englische Übersetzung und ich ließ mir das Buch aus London mitbringe. Erst beim Aufschlagen sah ich, dass es sich um eine Übersetzung von Anthea Bell handelte (die gerade von der Deutschen Botschaft in London für Ihr Übersetzungswerk ausgezeichnet wurde) und war beglückt darüber. Schon der Titel ist eine Schönheit und hat die Übersetzung wunderbar überstanden, denn ich sehe bei In Times of Fading Light das abnehmende Licht durchschimmern – und ein Schimmer ist schön bei einer Übersetzung.
Den Umweg über die englische Sprache nehme ich selten bei deutschsprachiger Literatur. Aber hier war es eine bewusste Entscheidung, denn ich wollte dieses Buch nach der Lektüre an mir nahestehende englischsprachige Menschen verleihen und mit ihnen über diese deutsche Familiengeschichte sprechen, die von Zeit zu Zeit und von einem Ort zum anderen springt, so dass ich manchmal beim Lesen aufpassen musste, dass sie mich noch mitnahm, diese Geschichte.
Das Nichtdazugehören und doch Teil von etwas sein Wollen ist ein großes Thema von Alexander, einem der jüngeren Protagonisten der Geschichte. Er trägt die Verlorenheit seiner Eltern mit sich herum und reist damit nach Mexiko – seine Krankheit scheint ihn zu dieser Art Flucht zu bewegen. Die Flucht ist gleichzeitig eine Spurensuche, ein Versuch, die Großmutter besser zu verstehen, die nie im Deutschland der Nachkriegsjahre angekommen zu sein scheint und Mexiko im Herzen trägt. Auch ihre Schwiegertochter (und Alexanders Mutter) Irina kommt nicht an – und beide Frauen versuchen, sich auf unterschiedliche Weise Orte zu schaffen, die sich nach einem Zuhause anfühlen. Irina reißt dazu Wände ein und Charlotte wählt einen Wintergarten als Zufluchtsort. Dort gedeihen Pflanzen, die eigentlich ein warmes Klima benötigen – was sicherlich auch auf Charlotte zutrifft. Zuletzt muss sie dann mit ansehen, wie ihr zerstörerischer Mann ihr auch diesen Ort zunichte macht.
Am Ende des Romans wünschte ich mir ein bisschen weniger Verlorenheit. Aber diesen Gefallen taten mir Eugen Ruge und mit ihm seine Übersetzerin Anthea Bell nicht. Und ich denke mit etwas Abstand, dass ein Abschied vom Rauschen des Pazifiks zu diesem Buch genau passt. Es ist ein Gesprächsanlass über die deutsch-deutsche Vergangenheit, über Familiengeschichten, die in der (jetzt ehemaligen) DDR geschrieben wurden – und ein Anlass für mich, an meine Zeit an der University of Reading zu denken, als ich mich dort 1986/1987 mit der ‚Literature of the GDR‘ beschäftigte.

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Tour de force

Language. There’s so much that a writer can do with it. Eimear McBride took it apart – just like the girl, her protagonist, is taken apart. By men. By her mother. By all those things that happen to her beloved brother. Never to be whole again. The sentences that were complete came almost as a relief when I was reading … and those that were incomplete made sense most of the time. This book is a linguistic revelation-revolution. Emotions lay bare. A Girl is a Half-formed Thing is not an easy read – and I already admire the translator who takes on this debut novel!

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Heute….

… dort war sie die erste Frau, die uns die Nachrichten ins Wohnzimmer brachte. Wibke Bruhns, die Autorin eines jener Bücher, bei denen ich gerne missionarisch werde. Meines Vaters Land ist eine sehr autobiografische, ehrliche Geschichte – die Geschichte eines kleinen Mädchens, das seinen Vater gewaltsam verlor und die Geschichte einer erwachsenen Frau, die sich auf die Spuren dieses Vaters begibt. Die beiden Weltkriege haben das Leben der Familie Klamroth in Halberstadt (der Familie, in die Wibke Bruhns hineingeboren wurde) geprägt und wirken bis heute nach. Dieses Buch ist eine Suche nach Antworten, die nicht mehr gegeben werden können. Weil Briefe verschwunden sind, weil Menschen nicht mehr leben und vielleicht auch, weil machmal eine Antwort nicht auszuhalten wäre. Allerdings hält Wibke Bruhns bei ihrer Spurensuche sehr viel aus – und fragt sich zwischendurch immer wieder, ob sie an dieser oder jener Weggabelung noch weitergehen möchte. Gerade das hat mich sehr bewegt, dieses Innehalten und in sich Hineinhorchen. Um sich dem Vater, den Eltern anzunähern und  eine Art Frieden zu finden. Ich empfehle Meines Vaters Land allen, die noch immer nicht müde sind, sich in die deutsche Vergangenheit hineinzulesen, die unbequeme Fragen hören wollen und wissen wollen, warum Konflikte der heutigen Zeit nicht erst gestern begonnen haben.

Und hätte mir für die Übersetzung einen anderen englischen Titel gewünscht….

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Berlin liest

Berlin liest  – eine Initiative des Internationalen Literaturfestivals Berlin. Ich las auch – bei herrlichem Spätsommerwetter. Die Kurzgeschichte ‚A Long Winter‘ aus dem Buch….

(Fotografiert von: Christiane Keilig)

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by | September 6, 2012 · 8:37 pm